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Frische Früchte als logistische erausforderung

2009 gründete Oliver Stahl zusammen mit seinem Geschäftspartner Markus Goop den Snackbox Express mit der Idee, Snacks direkt an kleinere und mittlere Unternehmen zu liefern, die sich keine eigenen Snackautomaten leisten können oder wollen. Nur zwei Jahre später wurde das Angebot mit dem Früchtebox Express um eine «gesunde» Variante erweitert. Eine Erfolgsstory. Mit der Liechtensteinischen Post AG baut der Früchtebox Express auf einen zuverlässigen Logistik-Partner. Geschäftsführer Oliver Stahl erzählt uns im Interview, warum das so ist.

Herr Stahl, was genau bietet der Früchtebox Express an?
Beim Früchtebox Express handelt es sich um einen B2B-Lieferservice, der mittels eigenem Kuriersystem hauptsächlich Firmenkunden mit frischen Früchten – regional und saisonal zusammengestellt – beliefert. Dabei übernehmen wir auch die Feinverteilung im Unternehmen in die einzelnen Abteilungen und Büros. Das kann als jederzeit kündbares Abo aber auch als Einzel- oder Geschenkbestellung erfolgen. Entstanden ist die Idee durch Feedback von Kunden unseres Snackbox Express, den wir vor zehn Jahren gestartet haben. Sie fanden es toll, Snacks wie Mars, Snickers, Salzbrezel und vieles mehr zu erhalten. Aber oft wurden wir gefragt, ob wir auch etwas «Gesundes» im Angebot hätten. Das entspricht voll und ganz dem Zeitgeist einer gesunden Ernährung und so gründeten wir im Jahr 2011 den Früchtebox Express.

Und das Prinzip einer Snackbox liess sich 1:1 auf eine Früchtebox übertragen?
Nicht ganz. Frische Früchte sind ein ganz anderes Thema, als abgepackte Snacks. Daher mussten wir anfangs viele Erfahrungen sammeln und benötigten ein ganzes Jahr für die Aufbauarbeit. Zum Beispiel konnten wir auch die Bezahlung nicht gleich handhaben, wie bei der Snackbox. Dort erfolgt die Bezahlung auf Vertrauensbasis. Wenn ein Mitarbeiter einen Schokoriegel aus der Snackbox nimmt, bezahlt er diesen in der integrierten Kasse. Das war für jeden selbstverständlich. Bei Früchten hat das nicht funktioniert. Die Bereitschaft der Mitarbeitenden oder Kunden, für Früchte zu bezahlen, war weniger gross. Auch aus dem Grund, weil nicht jede Banane oder jeder Apfel gleich gross sind. Aus diesem Grund liefern wir die Früchteboxen auf Rechnung, die vom belieferten Unternehmen bezahlt wird. In der Regel stellen die Unternehmen die Früchte ihren Mitarbeitenden und Kunden dann kostenlos zur Verfügung.

Frische Früchte sind sicher auch logistisch etwas komplexer in der Handhabung.
Absolut. Snacks können wir an jedem Tag einer Woche liefern. Die sind abgepackt und länger haltbar. Bei frischen Früchten sieht das anders aus. Ein Unternehmen, das eine Früchtebox bestellt, möchte sie am Montag erhalten, damit die Früchte bis am Freitag aufgebraucht sind. Eine Lieferung gegen Ende der Woche würde wenig Sinn machen. Wir sind sehr schnell gewachsen, vor allem in den Ballungsgebieten Zürich und Basel. Das hatte zur Folge, dass wir jeden Montag 14 Fahrer für die Auslieferung der Früchteboxen in Liechtenstein und der Schweiz benötigt haben. Das Problem war, dass wir nicht 14 Fahrer voll beschäftigen konnten, da der grösste Teil eigentlich nur am Montag zum Einsatz kam. Wir konnten das Problem teilweise dadurch lösen, dass wir einige Pensionisten angestellt haben, für die das einmal in der Woche eine angenehme Beschäftigung mit Zusatzverdienst bedeutete. Trotzdem wurde es immer schwieriger, alles alleine zu bewältigen

Ein klassischer Postversand war keine Option?
Wir haben in der Schweiz Versuche in diese Richtung gemacht. Es stellte sich jedoch sehr schnell heraus, dass das nicht funktioniert. Ein Buch oder ein Zalando-Paket kann problemlos über automatische Sortieranlagen grosser Logistikunternehmen verarbeitet werden. Die Früchteboxen sind aber für die Verarbeitung in den grossen Sortierzentren der Schweizer Post nicht geeignet, die Früchte werden schnell beschädigt oder matschig. Für eine besondere Aktion mit einem grösseren Kunden sollten wir an einem Montagmorgen schweizweit 350 Früchteboxen zustellen. Dafür haben wir die Boxen bei der Schweizerischen Post in Zürich direkt nach dem Förderband übergeben können. So hat es funktioniert. Aber auf Dauer wäre das nicht praktikabel.

Also musste eine individuelle logistische Lösung her.
Genau. Aber das war nicht so einfach. Wir haben festgestellt, dass viele Logistikunternehmen grossen Respekt davor haben, frische Früchte in Boxen zu transportieren, da dafür eine ganz besondere Sorgfalt erforderlich ist. Ein Anbieter verwies auf seine ausserordentliche Erfahrung bei der Zustellung von Autoreifen mit 98-prozentigem Erfolg. Das klingt toll, war für uns aber kein Argument, da Früchteboxen doch sehr viel empfindlicher sind, als Autoreifen. Dann kamen wir mit Hubert Biedermann von der Liechtensteinischen Post AG ins Gespräch und erfuhren so von den zahlreichen logistischen Lösungen, vor allem im Bereich «letzte Meile» in Liechtenstein. Wir wussten bereits, dass die Liechtensteinische Post AG für die Auslieferung der Sendungen von LeShop (Migros) und von coop@home in Liechtenstein zuständig ist. Daher haben wir uns mit den Verantwortlichen der Liechtensteinischen Post AG zusammengesetzt und nach Lösungen gesucht.

Und offensichtlich gefunden. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der Liechtensteinischen Post AG?
Es funktioniert super! Bei unseren ersten Gesprächen war sofort klar, dass es nur funktioniert, wenn kein automatischer Transport, beispielsweise auf einem Förderband eingesetzt wird. Wir haben gemeinsam eine Lösung gefunden, die für uns absolut optimal ist. Wir können die Lieferungen in Liechtenstein – bis auf zwei Grosskunden, die wir aufgrund der aufwändigen Feinverteilung selber beliefern – komplett der Liechtensteinischen Post AG anvertrauen, während wir uns auf die Lieferungen in der Schweiz konzentrieren. Das mag im ersten Moment unlogisch klingen, dass wir den Markt vor unserer Haustür an einen externen Dienstleister übergeben, während wir grössere Distanzen wie z.B. Zürich, Aarau, Schaffhausen oder Luzern selber beliefern. Der Grund ist ganz einfach der, dass wir uns bei der Liechtensteinischen Post AG darauf verlassen können, dass alles klappt und wir die dadurch frei gewordenen Ressourcen nutzen können, um die Lieferungen in der Schweiz zu tätigen. Inzwischen haben wir bis zu 20 Touren in der Schweiz und sind deshalb enorm froh, das Gebiet Liechtenstein in zuverlässigen Händen zu wissen.

Mit einem regionalen Partner ist die Kommunikation bestimmt auch einfacher.
Das ist so. Wir haben bei der Liechtensteinischen Post AG in der Regel eine bis zwei Ansprechpersonen, mit denen wir alles planen und organisieren. Wir können uns voll und ganz darauf verlassen. So kann auch bei unvorhergesehenen Ereignissen schnell und unkompliziert reagiert werden. Es gab und gibt beispielsweise Engpässe, wenn ein Feiertag auf einen Montag fällt. Da ist bei der Post automatisch schon ein grösseres Postvolumen zu bewältigen, ausserdem fällt die Auslieferung der Früchteboxen dann mit jener der Fruchtpause für die Schulen zusammen. Darauf konnten wir aber nach ein paar Erfahrungswerten sehr schnell reagieren. Wir haben die Offenheit der Verantwortlichen bei der Liechtensteinischen Post AG für unsere Anliegen und auch die Bereitschaft zur flexiblen Problemlösung sehr schätzen gelernt

Kurze Zwischenfrage, Sie haben die Fruchtpause für Schulen erwähnt. Was hat es damit auf sich?
Vor fünf Jahren haben wir das Projekt «Fruchtpause» gestartet. Dieses Projekt soll einen Beitrag dazu leisten, Schülerinnen und Schüler an Liechtensteins Primarschulen und deren Eltern für eine gesunde Ernährung mit frischen Früchten und Gemüse zu sensibilisieren. Es ist ein sehr nachhaltiges Konzept. Wir beliefern die Schulen einmal pro Woche mit frischen, saisonalen Früchten und Gemüse, wie beispielsweise Karotten, Kohlrabi oder Peperoni. Die Früchte werden nach der Lieferung von Mitgliedern der Elternvereinigungen geschnitten, portioniert und an die Kinder abgegeben, was grossen Anklang findet. Finanziert wird das Ganze von Sponsoren aus der Privatwirtschaft, unter anderem auch von der Liechtensteinischen Post AG, die das Projekt sowohl finanziell als auch logistisch unterstützt. Auch diese Zusammenarbeit klappt perfekt.

Gemeindeserie / Gemeindewoche / näherdran: Team der Früchtebox, Gamprin Bendern, Bild aufgenommen am 22.06.2018, Früchte, Frucht, Obst, Box, FOTO&COPYRIGHT: TATJANA SCHNALZGER

Zurück zum Früchtebox Express. Wie läuft so eine Lieferung ab?
Die Früchteboxen werden bei einem regionalen Grosshändler kommissioniert. Das hat mehrere Gründe. Wir sind keine Obsthändler, wir liefern Früchteboxen. Unser Partner verfügt über die notwendigen Kapazitäten und das Know-how, um unsere Früchteboxen nach Wunsch mit saisonalen Früchten möglichst aus der Region zu bestücken. So verhindern wir Food-Waste, da die Früchte bei unserem Partner ohnehin in grossen Mengen vorhanden sind und wir nur so viel abnehmen müssen, wie wir auch wirklich benötigen. Ein anderer Grund ist auch die notwendige Lagerfläche, die wir nur für zwei Tage die Woche brauchen würden. Der Grosshändler ist dafür sowieso eingerichtet. Die fertigen Boxen für den Liechtensteiner Markt werden um 4 Uhr früh direkt beim Grosshändler von einem LKW der Liechtensteinischen Post AG abgeholt und beim Betriebszentrum der Post von Hand, ohne automatische Sortierung direkt auf die Zustellfahrzeuge verladen. Anschliessend werden die Früchteboxen von den Mitarbeitenden der Liechtensteinischen Post AG direkt an unsere Kunden geliefert. Wir hatten anfangs etwas Respekt davor, ob das auch bei wechselndem Personal immer funktioniert. Aber unsere Bedenken waren grundlos. Es klappt perfekt, wir hatten bisher keine Reklamationen.

in schöner Nebeneffekt dieser Zusammenarbeit ist für uns natürlich, dass die Liechtensteinische Post AG dadurch auch selber Kunde bei uns wurde und ihren Mitarbeitenden Woche für Woche frische Früchte zur Verfügung stellt.

Fakten
Früchtebox Express ist ein auf die Belieferung von frischen Früchten spezialisiertes Unternehmen. Das Unternehmen zählt heute über 35 Mitarbeiter und beliefert mit Früchteboxen Firmen und Organisationen in der ganzen Schweiz und in Liechtenstein. Aktuell liefert Früchtebox Express rund 80‘000 Früchteboxen pro Jahr schweizweit an den Arbeitsplatz aus. Die Produkte werden, wenn immer möglich, von regionalen Obstbauern beschafft. Anfang 2019 wurde der Früchtebox Express an Selecta verkauft und wird von den bisherigen Inhabern im Dienstleistungsauftrag weiter betrieben